Wie lassen sich Erektionsstörungen beheben?

Mit Hilfe eines Arztes muss zunächst die Ursache abgeklärt werden. Danach richtet sich die Therapie.


Warum fällt es Männern so schwer, zu einer Potenzstörung zu stehen?

Viele Männer definieren ihre Männlichkeit über die Sexualität. Wenn man im wahrsten Sinne nicht mehr seinen Mann stehen kann, leidet das Selbstbewusstsein. Erektionsstörungen sind sehr negativ behaftet. Niemand gibt gern zu, unter einer Erektionsstörung zu leiden und möchte seine Probleme schon gar nicht vor einer zweiten oder dritten Person ausbreiten.


Wie viele Männer können nicht so, wie sie wollen?

In Deutschland ist jeder fünfte Mann von einer Erektionsstörung betroffen. Dabei nimmt die erektile Dysfunktion mit dem Alter zu. Unter den 20- bis 30-Jährigen leiden etwa vier Prozent an einer Erektionsstörung, während es bei den 40- bis 50-Jährigen schon 20 Prozent sind.


Ist Scham ein guter Ratgeber?

Auf gar keinen Fall! Die aktuellsten Studien haben noch einmal bestätigt, dass Erektionsstörungen erste Anzeichen eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles sein können. Das heißt zwar nicht, dass jeder Mann gefährdet ist, aber das Risiko sollte durch eine Untersuchung der Penis-Gefäße abgeklärt werden.


Wann liegt eine Erektionsstörung vor, die ärztlich abgeklärt werden muss?

Wenn innerhalb von drei Monaten festgestellt wird, dass in 50 Prozent der Beischlaf-Versuche die Erektion schwächer wird oder keine Erektion stattfindet, dann sind dies erste Anzeichen einer erektilen Dysfunktion. Nur der Arzt kann differenzieren, welche Ursache zu Grunde liegt und danach entsprechende Therapie- oder Präventivmaßnahmen in die Wege leiten. Liegt eine Durchblutungsstörung oder Gefäßverengung vor, ist ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall oder Herzinfarkt gegeben!


Was können weitere Ursachen einer Erektionsstörung sein?

Auch die Nerven, die Zusammensetzung des Schwellköpers oder ein erniedrigter Testosteronwert können eine erektile Dysfunktion verursachen. Neben diesen organischen Ursachen gibt es aber auch psychische wie Stress bei der Arbeit oder Belastungen in der Partnerschaft. Oftmals ist es eine Mischung aus beidem – also aus körperlichen und psychischen Problemen. Wichtig ist, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Dann kann mit speziellen Trainings- und Therapie-Anwendungen in wenigen Monaten noch alles rückgängig gemacht werden.


Kann man einer Erektionsstörung vorbeugen?

Ja, durch eine gesunde Lebensweise. Fünf Hände voll Obst und Gemüse täglich und regelmäßig bewegen. Lieber öfter zu Fuß die Treppen hochsteigen oder zum Bäcker gehen, statt den Fahrstuhl oder das Auto zu benutzen. Kleine Bewegungen in den Tagesablauf einbauen und nicht zu häufig über die Stränge schlagen. Ein dicker Bauch verengt die Gefäße, das hat auch Auswirkungen auf die Gefäße des Penis. Daneben helfen spezielle Übungen zur Verbesserung der Durchblutung oder Stärkung der Beckenbodenmuskulatur.

Übungsprogramme kann man unter http://www.maennergesundheit.info/pdf/IC-Training.pdf und http://www.maennergesundheit.info/pdf/Intervalltraining.pdf herunterladen.


Kann man einfach Potenzpillen verschrieben bekommen?

Nein. Vor der Therapie, also auch vor einer Verschreibung, steht die Diagnose! Der betroffene Mann sollte eine individuelle Betreuung erfahren - ein Ersttermin kann über zwei Stunden dauern. Man sollte Wert darauflegen, umfangreich untersucht zu werden. Denn nur so kann eine optimale Therapie für den Betroffenen sichergestellt werden. Optimale Therapie heißt, dass genau das therapiert wird, was notwendig ist und nicht auf gut Glück irgendeine Pille verschrieben wird. Leider ist eine solche Vorgehensweise nicht selten.

Zu einer ausführlichen Diagnose gehören ein ausführliches Gespräch, eine Biothesiometrie (das ist eine Nervenmessung), eine Doppler-Duplex-Sonographie (Messung der Penisgefäße), die Messung der Zusammensetzung des Penis, ein EMG des Beckenbodens (zur Messung der Beckenbodenstärke) und eine Blutentnahme.


Kann man Erektionsstörungen heilen?

Ja, Erektionsstörungen sind grundsätzlich heilbar. Wenn man die Ursachen einer Erektionsschwäche festgestellt hat, kann man sie in der Regel auch therapieren. Es gibt viele Ursachen:

  • Ist es der Verlust von glatten Muskelzellen im Penis, der zu Erektionsstörungen geführt hat?
  • Oder „pumpen“ die Blutgefäße bei der sexuellen Erregung nicht mehr genügend Blut in den Penis?
  • Oder ist der Beckenboden zu schwach und man kann keine ausreichende Härte aufrechterhalten?
  • Oder sind die Nerven geschädigt worden?

Das sind einige der Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor eine Therapie begonnen werden kann.


Waren Männer früher aktiver im Bett als heute?

Ja. Die sexuelle Frequenz hat in den letzten 30 Jahren deutlich abgenommen – um das Zwei- bis Dreifache. Das Älterwerden der Gesellschaft ist ein Grund. Aber auch jüngere Männer treiben es heute nicht mehr so oft. In einer Studie haben wir herausgefunden, dass 18- bis 30-Jährige vor 30 Jahren etwa 18 bis 22 Mal im Monat Geschlechtsverkehr hatten; heute ist es noch vier bis zehn Mal. In der Gruppe der 41- bis 50-Jährigen sank die Frequenz von sechs bis zehn Mal auf heute zwei bis drei Mal im Monat.


Woran liegt das?

Eine wesentliche Ursache ist die starke Zunahme Übergewichtiger. Krankhafte Fettleibigkeit wirkt sich wiederum auf den Fettstoffwechsel aus, erhöht das Diabetes-Risiko und gefährdet Herz-Kreislauf-Funktionen. All das hat natürlich einen negativen Einfluss auf Libido und Potenz.


Welche Bedeutung hat Stress?

Das Leben ist sehr viel komplizierter geworden. Der Spagat zwischen Beruf und Familie, also zwischen der Rolle als Ernährer und als fürsorglicher Familienvater, fällt vielen Männern immer schwerer und wirkt sich letztlich auch auf die Beckenregion aus. Die Triebenergie, die für die Bewältigung des Alltags zur Verfügung steht, reicht häufig nicht mal mehr normale Tätigkeiten – und im Bett dann erst recht nicht.


Lust bedeutet nicht automatisch Potenz. Wann sind Erektionsstörungen ein Fall für den Arzt?

Natürlich nimmt die Erektionsfähigkeit mit dem Alter ab. Bei den 20- bis 30-Jährigen klagen 2,4 Prozent über Probleme, bei den 40- bis 50-Jährigen sind es 19,8 Prozent und bei den 60- bis 70-Jährigen 67 Prozent. Das kann man als normal hinnehmen, muss es aber nicht. Ein erfülltes Sexualleben ist wichtig für das eigene Wohlbefinden und die Partnerschaft. Und was vielleicht noch schwerer wiegt: Erektionsprobleme können Vorboten eines Herzinfarkts sein. Der Penis ist also so etwas wie die Antenne unseres Herzens. Der Durchmesser der Blutgefäße im Penis beträgt nur ein bis zwei Millimeter, im Herzen dagegen drei bis vier Millimeter. Das bedeutet, dass die Penisgefäße schneller zu sind. Erst zwei bis acht Jahre später folgt der Herzinfarkt – und der endet für fast jeden zweiten Mann tödlich.


Was sollten Männer beachten?

Beste Prävention ist ein gesunder Lebensstil. Dazu gehören in erster Linie eine fettarme Ernährung und viel Bewegung, aber auch Psychohygiene, also der richtige Umgang mit Stress. Außerdem sollten Männer regelmäßig zu den empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und bei Problemen zum Arzt gehen.


Wie häufig stecken hinter den Potenzstörungen körperliche Ursachen?

Potenzstörungen sind nur bei 18 Prozent der Männer die Ursache für Potenzstörungen. Die restlichen 82 Prozent haben körperliche Ursachen. In den 90iger Jahren war man noch der Ansicht, dass über 80 Prozent der Erektionsstörungen rein psychisch sind. Die Wissenschaft ist eines Besseren belehrt worden.


Was sind die wichtigsten organischen Ursachen für Potenzprobleme?

  • Zu 54 Prozent sind Herz-Kreislauferkrankungen die Ursache für körperlich bedingte Potenzstörungen.
  • Aber auch Diabetes kann zu Potenzproblemen führen.
  • Ebenso Stress. Denn Stress führt unter anderem dazu, dass der Cortisonspiegel ansteigt. Cortison, das Stresshormon, wirkt sich negativ auf das Königshormon Testosteron aus. Das führt zu einer Gewebsveränderung im Penis und senkt den Testosteronspiegel.


Wann spricht man von einer echten Potenzstörung bzw. Impotenz?

Die Faustregel lautet: Medizinisch bedeutet eine erektile Dysfunktion die bestehende oder wiederholt auftretende Unfähigkeit, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen und/oder aufrechtzuerhalten. Als Faustregel kann man sagen: Falls in den letzten sechs Monaten über 30 bis 50 Prozent der Versuche, einen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, frustrierend verlaufen sind, sollte man einen Arzt (Urologen) aufsuchen.


Was kann die Partnerin tun?

Oft ziehen sich Männer mit erektiler Dysfunktion aus einer Partnerschaft zurück, da sie Angst haben, körperliche Nähe der Partnerin zu erfahren, die zu sexuellen Handlungen führen könnte. Sie ziehen sich zurück, da sie nicht mehr ihren „Mann stehen“ können. Partnerinnen können das Selbstwertgefühl stärken und sollten den Mann nicht „runtermachen“. Sie sollten den Partner außerdem motivieren zum Arzt zu gehen. Denn Gefäßveränderungen, die unbedingt medizinisch abgeklärt werden müssen, können auch ein Grund für Impotenz sein. Diese Erkrankungen führen oft zum Herzinfarkt oder Schlaganfall. Potenzschwäche ist oft nur eine temporäre Situation und in den meisten Fällen heilbar.

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