Burnout trifft Frauen keineswegs häufiger –
Krankheit bei Männern nur seltener festgestellt

Eine Reaktion der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V. (DGMG) und der Stiftung Männergesundheit auf eine Veröffentlichung des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen (Wido), das die Daten von zehn Millionen AOK-Versicherten ausgewertet hat.
Die psychische Erkrankung Burnout ist auf dem Vormarsch. Das ist unbestritten und wurde von dem Wissenschaftlichen Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen (Wido) bei der Auswertung der Daten von zehn Millionen AOK-Versicherten eindrucksvoll belegt.


Entfielen 2004 auf je 1.000 AOK-Versicherte noch acht Tage mit Krankschreibungen wegen Burnouts, waren es 2010 bereits 72,3 Tage bei 1000 Versicherten. Doch dass die Krankheit – medizinisch korrekt „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ genannt – besonders Frauen betrifft, das bezweifeln die DGMG und die Stiftung Männergesundheit, die im vergangenen Jahr den Ersten Deutschen Männergesundheitsbericht herausgegeben und hierin auch die psychischen Probleme der Männer aufgegriffen haben.


In einer kleinen Vorstudie der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (DGMG) unter der Leitung ihres Präsidenten Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE), konnte gezeigt werden, dass depressive Symptome wie zum Beispiel Burnout bei Männern dreimal weniger diagnostiziert wird als bei Frauen.
Wie konnte das festgestellt werden? Es wurden vier Schauspieler ausgesucht – zwei Frauen und zwei Männer, einmal legèr gekleidet, einmal im Business-Dress. Sie haben 30 praktizierende Hausärzte besucht und mit der gleichen, vorher einstudierten Wortwahl, Mimik und Gestik ihre angeblichen „psychischen Beschwerden“ vorgetragen. Gekonnt sind die Schauspieler in ihre Patientenrollen geschlüpft. Besucht wurden jeweils 15 Ärztinnen und 15 Ärzte. Wie sich herausstellte, war es egal, ob es sich um Ärzte oder Ärztinnen handelte, auch das Outfit der „Patientinnen und Patienten“ spielte keine Rolle. Fakt ist, dass die Symptome der Männer dreimal weniger als depressive Verstimmungen diagnostiziert wurden als bei den Schauspielerinnen.
„Ärzte diagnostizieren depressive Symptome und Burnout-Symptome bei Männern wesentlich seltener als bei Frauen“, sagt Professor Sommer. Man gestehe es den Männern nach wie vor nicht zu, depressive Verstimmungen oder Burnout-Symptome zu haben.


Nur wenige Männer trauen sich laut Professor Sommer über Burnout-Symptome zu sprechen, weil sie Angst haben Repressalien im Berufsleben zu erfahren und als Schwächling zu gelten.
Da erstaunen die Zahlen des Wido nicht. Die Auswertung der Daten bei zehn Millionen AOK-Versicherten kam nämlich zu dem Ergebnis, dass Frauen aufgrund eines Burnout doppelt so häufig krankgeschrieben werden: Bei 1.000 versicherten Frauen fallen 102 Ausfalltage wegen Burnouts an. Bei 1.000 versicherten Männern sind es nur 50 Ausfalltage. Bei Männern wird die Erkrankung einfach seltener diagnostiziert. Oder aber Männer trauen sich erst gar nicht, das Problem anzusprechen und deswegen einen Arzt aufzusuchen.


Im Ersten Deutschen Männergesundheitsbericht (www.maennergesundheitsbericht.de) kommt Anne Maria Möller-Leimkühler, leitende Sozialwissenschaftlerin an der Klinik für
Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilian-Universität München, sogar zu dem Ergebnis, dass psychische Störungen bei Männern deutlich stärker steigen als bei Frauen. Sie gehören bei den Männern sogar zu den häufigsten und kostenintensivsten Störungen. Jede 3. Frührente geht beim Mann inzwischen auf eine psychische Störung zurück.
Der Schluss aus der Wido Studie, Frauen erkrankten

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