Pressemitteilung - 09. März 2011

"Drei Fragen an Prof. Sommer"

Interview mit Prof. Dr. Frank Sommer

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V.

Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf

Frage: Mit dem Wegfall der Wehrpflicht fällt auch die Musterung weg, eine „Pflicht-Reihenuntersuchung“ aller jungen Männer. Männer mit Auffälligkeiten wurden zur weiteren Abklärung oder Behandlung an einen Facharzt überwiesen. Was bedeutet das für die Gesundheit der deutschen Männer?

Prof. Sommer: Es entsteht eine riesige Vorsorgelücke. Die letzte Untersuchung machen die Jugendlichen mit 14,15 Jahren. Danach ist 20 Jahre keine gesetzliche Vorsorge vorgesehen. Wenn man bedenkt, dass ohnehin nur 20 Prozent der Männer zur Vorsorge gehen, ist der Wegfall der Musterung ein echtes Problem.

 

Frage: Welche Krankheiten wurden vor allem bei der Musterung entdeckt?

Prof. Sommer: Das Spektrum reicht von Zahnerkrankungen über orthopädische Probleme bis hin zu den geschlechtsspezifischen und urologischen Erkrankungen. Häufig wurden Krampfadern am Hoden (Varikozelen) entdeckt, die zur Unfruchtbarkeit führen können. Besonders hervorzuheben ist die Erkennung von Hodentumoren, die durch frühzeitige Erkennung erfolgreich behandelt werden können. Außerdem wurden auffällige Herzgeräusche, Blutdruckerhöhung oder Harnwegserkrankungen entdeckt.

 

Frage: Was bedeutet das für die jungen Männer, die Ärzte, aber auch für die Politik?

Prof. Sommer: Von den jungen Männern, den Eltern, aber auch den Ärzten wird mehr Aufmerksamkeit und Wachsamkeit verlangt. Die Gesundheitspolitik – und auch die Krankenkassen – sollten reagieren, indem Vorsorge-Untersuchungen angeboten werden – und zwar kostenlos. Das sieht zwar auf den ersten Blick nach Mehrkosten aus, aber es könnten teure Folge-Behandlungen zu spät erkannter Erkrankungen eingespart werden. Das ist durchaus als Aufruf an die Gesundheitspolitik zu verstehen, zum Beispiel die von der DGMG entwickelte Vorsorge-Untersuchung für junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren, die „U25“ zu finanzieren, die die jungen Männer bisher aus eigener Tasche bezahlen müssen

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